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Till Eulenspiele

zu Besuch in Helmstedt

Till Eulenspiegel erklärt den Helmstedtern die "radikale Reform“ oder weshalb sich nichts ändern wird.


Nach Jahrzehnten am Tropf der Zonenrandförderung und mehr als 30 Jahren nach der Wiedervereinigung, findet sich die Stadt Helmstedt im "Mittelpunkt“ von Deutschland. Sie befindet sich in desolatem Zustand. In fast allem bildet sie das Schlusslicht. Bis auf in der Verschuldung und der Arbeitslosigkeit. Da ist sie vorne mit dabei. Der Landkreis wurde in der regelmäßigen Untersuchung des Schweizer Wirtschaftsunternehmens "Prognos" auf Platz 351 von 400 Landkreisen in Deutschland platziert. 37 Plätze schlechter als bei der letzten Untersuchung vor drei Jahren. Ein Blick auf die Stadt Helmstedt zeigt die Misere deutlich. Der Rat der Stadt Helmstedt plant trotz der Finanzmisere optimistisch in die Zukunft.


Immerhin geht es 49 Landkreisen noch schlechter.

Die Konzepte zur Belebung der Innenstadt und Stärkung des Handels konnten den Niedergang der Helmstedter Innenstadt nicht verhindern. Lehrstände und – Graffitischmierereien an fast jedem Haus in der Neumärker Straße ergeben ein großstädtisches Flair wie in "Berlin Kreuzberg“. Es wird an alten Konzepten festgehalten und dabei werden immer neue Ergebnisse erwartet. Wie kommt das eigentlich. Rat und Verwaltung waren wild entschlossen, das Blatt durch eine grundlegende Reform zu wenden. Wie üblich, wollte niemand so wirklich die Verantwortung übernehmen und beauftragten den renomierten Narren Till Eulenspiegel einen Gutachter für das Prinzip "grundlegende Reform“.


Wie konnte es dazu kommen?


Till bekam den Auftrag, am praktischen Beispiel Prinzip und Folgen einer "grundlegenden Reform“ zu erklären. An Geld sollte es nicht fehlen. Es war Winter. Aus dem Fenster des Rathauses sah Till eine große kahle Linde. Sie war schwarz von Krähen, die sich auf den Ästen niedergelassen und dort ein großes Geschrei veranstalteten.


Hochverehrte Ratsherren, Ratsdamen und Ratsdiverse referierte Till. Anhand dieses Baumes werde ich das Konzept einer "radikalen Reform“ erläutern. Billig wird das allerdings nicht.


Der Auftrag wurde ihm einstimmig erteilt.
In einem großen Lederbeutel wurden alle Goldstücke der Helmstedter Bürger gesammelt, was schon ein schönes Sümmchen ergab. Der König aus Berlin, der Graf aus Hannover und der Baron des Landkreises füllten den Beutel durch Subventionen und Fördergelder bis zum Rand.


Nun sollte es zu der Ratssitzung kommen, in der unser Experte Till Eulenspiegel sein Vorhaben umsetzen sollte. Die Ratssitzung begann mit der üblichen Bürgeranhörung. Zwei Interessierte hatten sich eingefunden. Nachdem die Bürgeranliegen "Hundehaufen in der Innenstadt“, "Müllablagerungen an Altglascontainern“, "lästige Säufergruppen“ routiniert zur Kenntnis genommen worden sind, ging es an den Haupttagesordnungspunkt derSitzung.


Die interessierten Bürger verließen das Rathaus und gingen zufrieden nach Hause. Till trat ans Rathausfenster. Hinter ihm versammelten sich die Ratsherren, die Ratsdamen und die Ratsdiversen. Till stellte den Sack mit den Goldstücken bereit. Der gegenüber liegende kahle Baum war mit hunderten Krähen besetzt. Sie hatten sich ihre Plätze gesicherte und verteidigten sie mit großem Geschrei.


Nun begann die Demonstration unseres Experten. Beherzt griff Till Eulenspiegel in den Sack und schleuderte mit großem Schwung die Goldstücke in den Krähenbaum. Prasselnd trafen sie auf das Geäst.


Die Krähen erhoben sich mit großem Geschrei. Das war ein Geflatter und Getümmel. Der abendliche Himmel war schwarz von aufgescheuchten Krähenvögeln. Till griff immer wieder in den Beutel, bis alle Goldstücke des Königs aus Berlin, des Grafen aus Hannover, des Barons des Landkreises und der wackeren Helmstedt Bürger aus dem Fester geworfen waren. Keine fünf Minuten später hatten sich die aufstörten Vögel beruhigt und wieder auf ihrem Baum niedergelassen. Jedes freie Plätzchen war von Krähen besetzt. Jede hatte einen Platz gefunden, der wiederum mit großem Geschrei verteidigt wurde.


Die Ratsherren, Ratsdamen und Ratsdiverse schauten sich erstaunt an, dann wieder auf den Krähenbaum, der unverändert schien. Unten am Stamm des Baumes stand: Till Eulenspiegel.


"Sehr geehrte Damen und Herren“ rief er hinauf zum Rathausfenster. "Das ist das Prinzip einer "radikalen Reform“. Man wirft das Geld aus dem Fenster. Hinterher ist wieder alles beim Alten – nur das Geld ist weg. Habe die Ehre“ und lief davon. Eigentlich hätte er gar nicht so laufen brauchen. Niemand würde ihn zur Rechenschaft ziehen.


Kein Helmstedter Bürger hatte das Geschehen mitbekommen. Die Ratsleute waren sich schnell einig, den gnädigen Mantel des Schweigens über das Geschehen zu decken. Niemand würde von dem teuren Fehlschlag erfahren. Das "Projekt“ wurde ordnungsgemäß abgerechnet.


Wir, die wir von Hören-Sagen Kenntnis von Till Eulenspiegels Lehre haben, verstehen jetzt, warum in Helmstedt kein Mut mehr für notwendige Reformen da ist. Wir warnen die Bevölkerung eindringlich ähnliches öffentlich zu machen und sich der Obrigkeit gegenüber unbotmäßig zu verhalten:


Niemand der Politisierenden wird je mit seinem Vermögen haften müssen, wenn sie nicht mit böser Absicht einen Schaden verursacht haben. Anders als das Geld der Bürger, ist das eigene Vermögen sicher.


Die Gesetzgebenden haben sich in den Wirren der "Coronazeit“ noch mehr vor jeder Verantwortung geschützt. Dafür wurde der § 188 StGB - früher Majestätsbeleidigung § 103 StGB - neu geschaffen. Das politische Leben des Volkes reicht bis hin zur kommunalen Ebene – eben kleine Majestäten.


Die Strafverfolgenden - Staatsanwaltschaft und Polizei - haben die neue Strafvorschrift begierig aufgegriffen und setzen sie mit allen Mitteln des Rechtsstaats konsequent durch. Tausende Strafverfahren wurden eingeleitet. Bei einer Hausdurchsuchung morgens um sechs für einen Post im Internet kann man mit Fug und Recht von eifriger Strafverfolgung sprechen.


Spezialisierten Rechtsanwaltskanzleien wird so ein lukratives Geschäft eröffnet. Wenigstens haben einige verantwortungsbewusste Rechtsprechende das Problem erkannt und verhängen Strafrahmen mit Augenmaß – einige aber auch nicht! Besorgniserregend sind die mit unseren Steuergeldern finanzierten Meldeportale für Sachverhalte im "vorstrafrechtlichen Bereich“. Bei der Vorstellung, was mit den gesammelten Daten in Zukunft möglich ist, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.


Beitrag von: Wolfgang Schmidt - 2026

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